Das UNSUI-DOJO TG Neuss hat unter der Leitung von Šimo Tolo (Renshi 6.Dan Goju-Ryu) einen Stilrichtungslehrgang mit den Themen Kihon, Kata, Kata-Bunkai und dem Schwerpunkt zur Prüfungsvorbereitung durchgeführt. Der Einladung sind nicht nur wir, das Gōjū-Ryū-Karate Dojo GV Waltrop gerne gefolgt, es fanden sich insgesamt ca. 45 Teilnehmende aus verschiedensten Dojos zum gemeinsamen Training ein.

Die offene und herzliche Art der Ausrichter sorgte von Beginn an für gute Laune. Nachdem alle Formalien zur Einhaltung der 3-G-Regeln und Rückverfolgbarkeit der Teilnehmenden erledigt waren, bot sich noch etwas Zeit um untereinander „Hallo“ zu sagen.

Viele der Teilnehmenden sahen sich nach langer Corona-Pause endlich wieder und da gab es einiges zu erzählen. Renshi Šimo Tolo eröffnete den Lehrgang und erinnerte dabei mit emotionalen Worten an Fritz Nöpel, dem Wegbereiter des Gōjū-Ryū-Karate in Deutschland und als Träger des 10.Dan und des Ehrentitels Hanshi damit höchstgraduiertem Dan-Träger im Deutschen Karate Verband.

Nach einem intensiven und sehr abwechslungsreichen Aufwärmtraining, durch das Sensei Derar Haj führte, übernahm Šimo Tolo. Alle Teilnehmenden bekamen als erste Aufgabe ihre Kihon-Ido Vorgehenstechniken durchzuführen. Dabei wurde die Intensität stetig gesteigert und die Abfolge der Techniken kombiniert. Šimo begutachtete alle Karateka in wieweit Unterschiede in der Durchführung der Techniken zu erkennen waren. Er legte dabei sehr großen Wert auf sauber durchgeführte Techniken und erläuterte worauf im Einzelnen zu achten sei. Mehrmals hat er darauf hingewiesen, dass „sauberere und präzise Techniken“ Unterschiede im Ablauf des Kihon-Ido zwischen den zahlreichen Dojos nicht ausschließen. Die Vielzahl an Dojos und die damit verbundene vielfältige Betrachtung aus unterschiedlichsten Blickwinkeln können sich selbstverständlich in feinen Unterschieden, z.B. der Wahl der „Waffen“ und angewandten Techniken wiederfinden.

Šimo leitete zum nächsten Themenschwerpunkt über, der Kata und ihre Bedeutung im Karate. Als Beispiel wurde die Kata „Gekisai Dai Ichi“ ausgewählt. Die Karateka führten auch diese in stetig steigender Intensität durch. Wie bereits bei den Kihon-Übungen schaute sich Šimo die Abläufe bei jedem Einzelnen Lehrgangsteilnehmer genau an, erläuterte immer wieder Details und deren Bedeutung. Auch hier stellte Renshi Šimo Tolo heraus, das sich die verschiedenen Strömungen aus den Dojos in unterschiedlichen Details bei den Durchführungen der Kata zeigen dürfte. Eine Kata muss in ihrem Ursprung zu erkennen sein, aber ein intensives Studium und das Auseinandersetzen mit der Kata dürfe sich selbstverständlich durch das Setzen unterschiedlicher Schwerpunkte wiederspiegeln.

Für die Überleitung von der Kata zur Kata-Bunkai bekamen die Teilnehmenden die Aufgabe, sich zu kleineren Gruppen von ca. fünf Partner*innen zusammenzufinden und die einzelnen Kata-Bunkai der „Gekisai Dai Ichi“ Einheiten zu üben. Nach ca. 15 Minuten sollten die Gruppen jeweils eine Bunkai-Einheit vorführen. Es zeigten sich abermals Unterschiede, aber auch hier war der Kern der Kata immer klar zu erkennen. In diesem Zusammenhang zeigte Mustafa Kamel (7.Dan), Dojo-Leiter der Karateabteilung der SG Langenfeld, eine weitere Variante der Kata-Bunkai als Partnerform. Dabei führte er mit seinem Partner schnelle und sehr präzise Abläufe der kompletten Bunkai auf einer Linie und ausschließlich durch vor- und zurückgehen vor.

Nach weiteren, zum Teil sehr eindrucksvollen Vorführungen der Kata-Bunkai wechselte der Lehrgang auf seinen letzten Schwerpunkt, der Selbstverteidigung.

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Šimo Tolo wurde dabei von Sensei Martin Kudzia (4.Dan Karate) unterstützt. Beide haben gemeinsam ein „Übungswerkzeug“ entwickelt, das zum einen das Verinnerlichen der Gōjū-Ryū-Techniken unterstützt und uns Karateka schult diese in Selbstverteidigungssituationen besser abrufen zu können. Sie erläuterten, dass es in den realen Momenten in denen Selbstverteidigung gebraucht werde, andere Bedingungen vorherrschen als im normalen Dojo-Alltag trainiert werde. Zum Beispiel bestehe in realen Bedrohungssituationen ein eher geringer Abstand zum Angreifer und dies schränke die Wahl der Abwehr- und Kontertechniken entsprechend ein. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen können auch kritische Situationen und Ausgangslagen, wie das „zu-Boden-gehen“ entstehen. Aus denen müsse man sich irgendwie befreien können, aber trainiere dies eher als Ausnahme. Die Frage lautete, welche Möglichkeiten bietet mir in diesem Augenblick das Karate wirklich? Das von Šimo und Martin entwickelte „Tool“ unter dem Begriff „Defend yourself using Karate“ soll dabei helfen genau das zu trainieren.

Zum Einstieg fanden sich zunächst immer zwei Partner zusammen, die in geringem Abstand zueinander jeweils drei Techniken einsetzten. Dabei sollten die Angreifenden auch auf eine optimale Schlagposition achten und dadurch die Verteidiger in eine für den Konter schlechte Position zwingen. Auf die 3.Technik des Angreifers erfolgte dann ein Konter. Ohne Unterbrechung führte daraufhin der verteidigende Partner drei Angriffstechniken aus optimierter Schlagposition durch. Hierdurch wechselten die beiden Kontrahenten stetig ihre Rollen des Angreifers und Verteidigers. Die Übungen wurden schrittweise um Fuß- und Wurftechniken erweitert. Das bedeutete mitunter einen Konter zu platzieren, nachdem man zu Fall gebracht wurde und damit aus einer extrem ungünstigen Ausgangspositionen reagieren zu müssen. Šimo und Martin beobachteten und korrigierten die trainierenden Teams. Anhand von Beispielen demonstrierten sie immer wieder mögliche Abläufe und wiesen daraufhin in welcher Kata die eingesetzten Techniken ihren Ursprung finden. Zur weiteren Erhöhung des Schwierigkeitsgrades kam ein 3. Partner ins Team. Durch diesen konnte die letzte Technik entweder zum aktuellen oder zum wartenden Partner abgegeben werden. Die Bewegungsmuster wurden fortlaufend komplexer und am Ende veränderte auch der wartende Partner stetig seine Position um die kämpfenden Kontrahenten herum.

Die Karateka spürten nicht nur die körperliche Belastung, sondern auch die immense Konzentrationsleistung, die durch die immer weiter geführten Übungen mit ständig wechselnden Partnern gefordert wurde.

Nach vielen intensiven Lerneinheiten ging der Tag langsam zu Ende und die Lehrgangsteilnehmenden fanden sich noch einmal zu einer Feedback-Runde zusammen. Alle waren sich sofort einig, das Inhalte und Durchführung bestens geplant und umgesetzt wurden. Die Themen bauten gezielt aufeinander auf und führten dann zum „Defend yourself using Karate“. Die dort erlernten Übungsinhalte wurden ausschließlich begrüßt und als sinnvolle Erweiterung des Karatetrainings angesehen. Dieser Meinung waren auch wir und werden daher künftig das von Šimo und Martin entwickelte „Defend yourself using Karate“-Tool in unsere Trainingswoche einbetten.

Ein toller Tag mit wunderbaren Gastgebebern und gut gelaunten Lehrgangsteilnehmern ging leider viel zu schnell zu Ende….

Stilrichtungslehrgang_Neuss_20210911_Gruppe

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Vielen Dank an das UNSUI-DOJO TG Neuss